Wer eine Immobilie verkauft, trifft potenzielle Käufer heute fast ausschließlich zuerst online. Portale wie Immobilienscout24 zeigen einem Interessenten in Sekunden dutzende Angebote nebeneinander. Wer dabei mit verwackelten Smartphone-Fotos antritt, verliert. Studien aus dem US-amerikanischen Markt zeigen, dass Objekte mit professionellen Fotos im Schnitt 32 Prozent mehr Klicks erzielen als vergleichbare Angebote mit Amateuraufnahmen. Für den deutschsprachigen Markt gibt es zwar keine identischen Zahlen, die Grundlogik ist jedoch dieselbe: Das Bild entscheidet, ob jemand weiterliest oder weiterscrollt.
Was professionelle Immobilienfotografie konkret bedeutet
Professionelle Immobilienfotografie ist kein Luxus, den sich nur Besitzer von Villen leisten. Sie beginnt bei der richtigen Ausrüstung: Ein Vollformat-Sensor, ein Weitwinkelobjektiv mit etwa 16 bis 24 Millimeter Brennweite und ein Stativ für Langzeitbelichtungen gehören zum Minimum. Hinzu kommt die Nachbearbeitung. HDR-Belichtungsreihen, also das Übereinanderlegen mehrerer Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung, gleichen den Kontrast zwischen dunklem Rauminneren und hellem Fensterausblick aus. Das Ergebnis wirkt natürlich, nicht überdreht.
Ein erfahrener Immobilienfotograf berechnet für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern je nach Region zwischen 300 und 600 Euro. Dafür erhält der Auftraggeber üblicherweise 20 bis 40 bearbeitete Aufnahmen. Verglichen mit den potenziellen Verlusten durch einen niedrigeren Verkaufspreis oder eine längere Vermarktungsdauer ist das eine überschaubare Investition.
Grundregeln für überzeugende Aufnahmen
Auch das beste Equipment hilft nichts, wenn das Objekt schlecht vorbereitet ist. Folgende Punkte machen den Unterschied zwischen einem ansprechenden und einem abschreckenden Bild:
- Entrümpeln vor dem Shooting: Persönliche Gegenstände, überfüllte Regale und Kühlschrankmagnete verschwinden aus dem Bild. Käufer wollen sich vorstellen, selbst dort zu leben.
- Tageslicht nutzen: Die beste Aufnahmezeit liegt kurz nach Sonnenaufgang oder in den zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Das sogenannte goldene Licht wirkt wärmer und dreidimensionaler als das harte Mittagslicht.
- Symmetrie und Fluchtpunkte: Die Kamera sollte möglichst auf Hüfthöhe, also etwa 100 bis 110 Zentimeter, positioniert werden. Das entspricht der natürlichen Wahrnehmung eines Menschen, der einen Raum betritt.
- Außenaufnahmen nicht vergessen: Das Titelbild eines Inserats ist meistens die Frontansicht des Gebäudes. Sie sollte bei strahlend blauem Himmel aufgenommen werden, der Rasen gemäht, die Einfahrt frei sein.
3D-Visualisierungen und virtuelle Rundgänge
Neben klassischen Fotos setzen sich zwei weitere Formate durch: fotorealistische 3D-Visualisierungen und virtuelle 360-Grad-Rundgänge. Beide erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Fotorealistische Visualisierungen werden vor allem bei Neubauprojekten oder Sanierungsvorhaben eingesetzt, wo noch kein realer Zustand gezeigt werden kann. Ein guter Visualisierer arbeitet auf Basis von Grundrissen und Architektenplänen und liefert Bilder, die von echten Fotos kaum zu unterscheiden sind. Die Kosten liegen je nach Detailgrad und Anzahl der Perspektiven zwischen 500 und mehreren tausend Euro pro Bild. Für Projektentwickler, die Dutzende Einheiten vermarkten, rechnet sich das schnell.
Virtuelle Rundgänge, erstellt etwa mit der Matterport-Kamera, scannen einen Bestandsbau in wenigen Stunden vollständig ein. Das Ergebnis ist ein interaktives 3D-Modell, durch das sich Interessenten am Bildschirm bewegen können. In München beispielsweise, einem der teuersten und umkämpftesten Immobilienmärkte Deutschlands, sind solche Rundgänge bei hochwertigen Objekten längst Standard. Erfahrene Immobilienmakler München berichten, dass internationale Käufer Objekte mitunter auf Basis eines virtuellen Rundgangs reservieren, ohne das Gebäude vorher physisch besucht zu haben. Das verkürzt den gesamten Verkaufsprozess erheblich.
Vergleich der Formate im Überblick
| Format | Einsatzbereich | Ungefähre Kosten | Stärke |
|---|---|---|---|
| Professionelle Fotos | Bestandsimmobilien, alle Klassen | 300 bis 600 Euro | Schnell, universell einsetzbar |
| 3D-Visualisierung | Neubau, Sanierung, Off-Plan | 500 bis 3.000 Euro pro Bild | Zeigt Zustand vor Fertigstellung |
| Virtueller Rundgang | Hochpreisige Bestandsobjekte | 400 bis 1.200 Euro | Interaktiv, spart Besichtigungen |
| Drohnenaufnahmen | Grundstücke, Lage, Außenansicht | 200 bis 500 Euro | Zeigt Umgebung und Grundstücksgröße |
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Selbst mit professioneller Unterstützung gibt es typische Fehler, die den Erfolg eines Inserats schmälern. Einer der häufigsten: zu wenige Aufnahmen. Ein Wohnungsgrundriss mit 90 Quadratmetern sollte mindestens 15 bis 20 Fotos liefern, kein Raum darf fehlen. Käufer, die kein Bild vom Bad oder von der Küche finden, interpretieren das als Warnsignal.
Ein weiterer Fehler ist das Weglassen des Grundrisses. Fotos vermitteln Stimmung, aber kein räumliches Verständnis. Ohne maßstabsgetreuen Grundriss bleibt unklar, wie die Zimmer zueinander liegen. Viele Interessenten filtern Inserate ohne Grundriss direkt aus ihrer Suche heraus.
Schließlich unterschätzen Verkäufer regelmäßig den Einfluss von Drohnenfotos. Besonders bei Reihenhäusern, Grundstücken oder Objekten in attraktiver Lage zeigt eine Aufnahme aus 50 bis 80 Metern Höhe Kontext, den kein Straßenfoto leisten kann: die Nähe zum Park, die Südausrichtung des Gartens, die ruhige Hinterlage fernab der Hauptstraße.
Wann sich die Investition besonders lohnt
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber es lassen sich klare Tendenzen benennen. Bei Objekten unter 200.000 Euro fällt das Kosten-Nutzen-Verhältnis für aufwendige 3D-Visualisierungen weniger günstig aus. Professionelle Fotos sind hier in jedem Fall sinnvoll, ein virtueller Rundgang bleibt optional. Bei Objekten ab 400.000 Euro hingegen sollte kein Verkäufer auf professionelles Bildmaterial verzichten. Der finanzielle Hebel ist zu groß. Ein um zwei Prozent höherer Verkaufspreis bedeutet bei 500.000 Euro bereits 10.000 Euro mehr, ein Vielfaches der Kosten für Fotografie und Visualisierung.
Wer sein Objekt selbst vermarktet, sollte sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen, um das Objekt angemessen vorzubereiten, und dann einen Fotografen beauftragen, der nachweislich Immobilien fotografiert, nicht nur Events oder Porträts. Die Referenzen entscheiden. Ein gutes Portfolio spricht für sich.