Wohnung oder Haus verkaufen während der Modernisierung

Team

9. Oktober 2026

Wohnung oder Haus verkaufen während der Modernisierung

Eine Küche wird gerade neu gefliest, die Heizungsanlage ist ausgebaut, die Fassade halb verputzt. Genau in dieser Phase entscheiden sich manche Eigentümer, die Immobilie zu verkaufen. Manchmal aus finanziellen Gründen, manchmal weil ein Umzug schneller kommt als geplant. Dass ein solcher Verkauf komplizierter ist als ein gewöhnlicher Immobilientransfer, liegt auf der Hand. Was viele unterschätzen: Er kann trotzdem wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn man die richtigen Stellschrauben kennt.

Warum das Timing bei Modernisierungen so entscheidend ist

Der Verkaufspreis einer Immobilie hängt nicht allein vom Zustand ab, sondern vom wahrgenommenen Zustand. Ein Haus, das zur Hälfte renoviert ist, wirkt auf viele Käufer unfertig und riskant. Sie sehen keine abgeschlossene Wertverbesserung, sondern offene Baustellen und unbekannte Folgekosten. Das drückt erfahrungsgemäß auf den Preis.

Konkret zeigt sich das bei Gutachterwerten: Ein Einfamilienhaus in mittlerer Lage, das komplett saniert einen Marktwert von 480.000 Euro hätte, wird im Zwischenstadium häufig 30.000 bis 60.000 Euro unter diesem Wert bewertet. Käufer kalkulieren Risiken ein, die sie selbst nicht vollständig einschätzen können. Das gilt besonders dann, wenn Gewerke wie Elektrik oder Dach noch ausstehen.

Wer den Verkauf plant, sollte deshalb früh entscheiden: entweder vor dem ersten Spatenstich verkaufen oder zumindest alle sichtbaren Maßnahmen abschließen. Das Mittelfeld ist fast immer das teuerste.

Laufende Baukredite als unterschätztes Hindernis

Viele Eigentümer, die modernisieren, finanzieren die Maßnahmen über einen Kredit. Ein Sanierungsdarlehen über 80.000 Euro für neue Fenster, Dämmung und Heizungstausch ist keine Seltenheit. Wer die Immobilie nun verkauft, muss dieses Darlehen in der Regel vorzeitig ablösen. Und das hat einen Preis.

Banken erheben bei vorzeitiger Rückzahlung eine Vorfälligkeitsentschädigung. Bei einem Restbetrag von 65.000 Euro und einer noch vier Jahre laufenden Zinsbindung kann diese Entschädigung schnell 4.000 bis 8.000 Euro betragen, abhängig vom ursprünglichen Zinssatz und dem aktuellen Marktniveau. Diese Summe mindert den effektiven Verkaufserlös direkt.

Zusätzlich ist zu prüfen, ob der Baukredit mit dem Hauptdarlehen für den Immobilienerwerb kombiniert ist. In diesem Fall greift eine komplexere Ablöseregelung. Wer sich hier unsicher ist, findet bei spezialisierten Beratern Orientierung. Zum Thema Immobilie verkaufen trotz laufender Finanzierung gibt es inzwischen gut aufbereitete Informationen, die typische Fallstricke klar benennen.

Was Käufer 2026 von halbfertigen Objekten erwarten

Der Markt hat sich verändert. Nach Jahren mit wenig Angebot sind Käufer heute wählerischer. Gleichzeitig sind die Finanzierungskosten höher als noch 2020. Wer heute ein Objekt kauft, das er selbst fertigsanieren muss, braucht dafür einen eigenen Kredit zu aktuellen Konditionen. Das macht halbfertige Immobilien für viele Käufergruppen unattraktiv.

Trotzdem gibt es eine Zielgruppe, die solche Objekte gezielt sucht: Handwerker mit Eigenleistungspotenzial, Investoren mit eigenem Gewerbebetrieb oder Käufer, die eine Immobilie nach eigenen Vorstellungen fertigstellen möchten. Für diese Gruppe ist der niedrigere Preis ein Anreiz, nicht ein Warnsignal. Wer seinen Verkauf auf diese Käuferschicht ausrichtet, sollte das in der Vermarktung klar kommunizieren: vollständige Baudokumentation, offene Handwerkerangebote, Grundrisse mit eingetragenem Renovierungsstand.

Steuerliche Fallstricke beim Verkauf während der Sanierung

Wer eine Immobilie verkauft, die er selbst bewohnt hat, ist nach drei Jahren Eigennutzung von der Spekulationssteuer befreit. Wer jedoch vermietet hat und die Immobilie modernisiert, muss aufpassen. Sanierungskosten, die steuerlich als Werbungskosten abgesetzt wurden, können beim Verkauf den anrechenbaren Gewinn erhöhen.

Außerdem gilt: Wer innerhalb von zehn Jahren mehr als drei Immobilien verkauft, gilt steuerrechtlich als gewerblicher Händler. Das hat erhebliche Konsequenzen für die Umsatzsteuerpflicht. Wer also neben dem Eigenheim noch Anlageobjekte in der Sanierung hat, sollte diesen Aspekt mit einem Steuerberater klären, bevor er den Kaufvertrag unterzeichnet.

Checkliste: Was vor dem Verkauf während der Sanierung geklärt sein sollte

  • Kreditablösung prüfen: Vorfälligkeitsentschädigung berechnen lassen, schriftlich bei der Bank anfragen.
  • Sanierungsstand dokumentieren: Fotos, Rechnungen, Handwerkerverträge zusammenstellen.
  • Restwert der Maßnahmen einschätzen: Was ist bereits verbaut, was würde der Käufer noch fertigstellen müssen?
  • Zielgruppe definieren: Eigennutzer oder Investor? Das bestimmt die Vermarktungsstrategie.
  • Steuerliche Situation klären: Eigennutzung, Mietdauer, Spekulationsfrist, Drei-Objekt-Grenze.
  • Energieausweis aktualisieren: Teilsanierungen können den Energieausweis ungültig machen.

Wann ein Verkauf mitten in der Sanierung dennoch Sinn ergibt

Es gibt Situationen, in denen das Abwarten keine Option ist. Scheidungen, Erbfälle, berufliche Umsiedlungen oder schlicht fehlende Liquidität zwingen manchmal zur Entscheidung. In diesen Fällen sollte man den Verkauf pragmatisch angehen, statt auf den idealen Zeitpunkt zu warten, der vielleicht nie kommt.

Eine nüchterne Kalkulation hilft: Wenn der aktuelle Marktpreis im Zwischenstadium 420.000 Euro beträgt, die Vorfälligkeitsentschädigung 6.000 Euro kostet und die noch ausstehenden Sanierungsmaßnahmen 35.000 Euro gekostet hätten, liegt der effektive Nettowert bei etwa 379.000 Euro. Verglichen mit dem hypothetischen Endwert von 480.000 Euro ist das ein Unterschied von rund 100.000 Euro. Wer diesen Unterschied kennt, kann eine informierte Entscheidung treffen, keine emotionale.

Auch verhandlungstaktisch gibt es Spielraum. Manche Eigentümer vereinbaren mit Käufern einen Übergabetermin nach Abschluss bestimmter Gewerke. Andere bieten eine Preisminderung kombiniert mit einer schriftlichen Aufstellung der noch ausstehenden Arbeiten. Transparenz erhöht in solchen Fällen das Vertrauen und verkürzt die Verhandlungsphase.

Fest steht: Wer eine Immobilie während der Modernisierung verkauft, braucht keine Panik. Aber er braucht Zahlen, Dokumentation und eine klare Vorstellung davon, an wen er verkauft und warum.